Wo sind all die Pokémon Trainer hin?

© Niantic / Nintendo

Wer noch im Sommer in den Straßen der Stadt auf Scharen von Pokémon-Trainern stieß oder selbst mit Ash-Kappe von dem Hype ergriffen war „sie alle zu fangen“ mag sich jetzt wundern, wieso die Gassen wie leergefegt sind und man nur noch müde belächelt wird, wenn das Thema auf die kleinen Monster fällt. Lest hier, woran es gelegen haben könnte, dass Niantic den Hype nicht aufrecht erhalten konnte…

 

 


Der Hype scheint verflogen zu sein...

Die Medien sind sich einig: der große Hype um das weltweit bekannte Augmented Reality Game Pokémon GO ist vorbei. Auch viele FANs sind und wurden enttäuscht von der geliebten Marke Pokémon. Der beständige Rückgang der Nutzerzahlen und die sich verkürzende durchschnittliche Nutzungsdauer pro Spieler legen die harten Fakten auf den Tisch. Die App ringt nach Aufmerksamkeit mit Aktionen und Push-Benachrichtigungen. Doch wie konnte das passieren?

Noch vor wenigen Monaten sah man ganze Menschenmassen durch die Straßen der Innenstädte laufen, der Blick konzentriert auf das Smartphone. Man konnte Schwärme von Spielern jeden Alters um Sehenswürdigkeiten der Stadt sitzend antreffen, die die halbe Stunde eines Lockmoduls auszunutzen. Man hörte Rufe der Begeisterung durch die Gassen, wenn ein noch unbekanntes Pokémon auftauchte und tauschte sich über dessen Aufenthaltsort aus. Abends verabredete man sich auf einen Pokémon-Spaziergang um „sie alle zu fangen“ oder eine gegnerische blaue, rote oder gelbe Arena einzunehmen. 

© Niantic / Nintendo

Und nun, im November, wenn die Tage kalt bleiben, das Smartphone aufgrund von Handschuhen in der Jackentasche bleibt und man schnell ins Haus verschwinden möchte, wird man nur noch müde belächelt, wenn man das Gespräch auf Pokémon GO lenkt.

Die anfängliche Idee der Entwickler eine „Gesundheits- und Fitness-App“ auf den Markt zu bringen um FANs einer weltweit bekannten und geliebten Marke „Pokémon“ an die frische Luft zu schicken, ging auf. Nach einer kurzen Beta-Phase veröffentlichte Niantic zusammen mit den Investoren Google, Nintendo und The Pokémon Company am 6. Juli 2016 in den USA, Australien und Neuseeland ihre neue App auf Google Play und dem App Store. Der internationale Start wurde zu dem Zeitpunkt bereits schon aufgrund von Serverüberlastung aufgeteilt. Das Spiel erschien nach und nach in den einzelnen Ländern, Deutschland durfte offiziell ab dem 13. Juli am eskalierenden Pokémon-Hype teilhaben. 

Alleine dadurch, dass Niantic den vorhandenen Bekanntheitsgrad der Marke Pokémon nutzen konnte, zeigte das halbfertige Spiel ohne große Werbeaktionen Erfolg auf den Markt. Am 12. Juli brach die App in den USA mit 21 Millionen Nutzern den bisherigen Rekord von Candy Crush Saga (20 Millionen) und der Marktwert von Nintendo verdoppelte sich quasi über Nacht.


Allerdings trübten schon zu Beginn die Serverprobleme und Fehler den Spielspaß. Niantic hatte den Datenverkehr maßlos unterschätzt. Kurz nach dem Launch stieg dieser auf etwa das fünfzigfache des bereitgestellten Traffics. Das hohe Risiko war den Machern bewusst, doch das Sommerwetter sollte mitgenommen werden und verhalf schließlich zum Erfolg. Ende Juli hatte das Spiel laut Apptopia seine Höchstzahlen mit 45 Millionen täglichen Nutzern weltweit erreicht. Seitdem folgte ein beständiger Rückgang. Die durchschnittliche Nutzungsdauer pro Spieler verkürzt sich ebenfalls: zu Bestzeiten schaffte sie mit 33 Minuten pro Tag sogar deutlich mehr als die nutzungsintensive App von Facebook (22 Minuten).

© Niantic / Nintendo

Befragt man die FANs, wieso sie aufgehört haben Pokémon zu fangen, kommen oft dieselben Antworten: die anfänglichen Abstürze des Spiels, das schlechte GPS und die fehlerhaften Funktionen gingen auf die Nerven. Die „Fußstapfen-Funktion“, die zu Beginn auf vielversprechende Weise Pokémon aufspüren ließ, verschwand nach einem Update komplett und tauchte seitdem nicht wieder auf. Laut Stellungnahme der Spieleentwickler sei die Funktion noch nicht fehlerfrei gewesen, weshalb sie herausgenommen wurde. Viele Nutzer hätten sich Features zur Kommunikation oder Handel zwischen den Spielern gewünscht. Und wenn man in einem geringer besiedelten Gebiet mit weniger Pokémon wohnte oder man eine „Zwangspause“ machen musste, konnte man mit den höher gelevelten Spielern nicht mehr mithalten und verlor den Spaß.

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Trotz aller Verärgerung der Spieler und Rückgang der Nutzerzahlen bleibt die App unterm Strich ein Erfolg: durch die Zusatzfunktionen, die sich Spieler in der kostenlosen App kaufen können, nahm Niantic der Analysefirma Sensor Tower zufolge allein im ersten Monat nach dem Start bereits 200 Millionen US-Dollar Umsatz ein. Im September kam das bereits lange angekündigte Wearable „Pokémon Go Plus“ für knapp 40 US-Dollar auf den Markt. Um die Nutzer bei Laune zu halten folgen in regelmäßigem Abstand Updates mit speziellen Features.

Im Oktober wurde ein neues Medaillensystem und ein Fang-Bonus eingeführt, der es erleichtert, weitere Pokémon der gleichen Art leichter zu fangen. Außerdem durfte man sich nun einen „Kumpel“ aussuchen, der durch regelmäßiges Gassi-Gehen Bonbons sammelte. Die Halloween-Aktion belohnte mit extra Bonbons und es tauchten besonders gruselige Pokémon häufiger in den Straßen auf. Das Update im November versprach die Wahrscheinlichkeiten von Taubsis, Ratzfatz und Habitaks zu senken und die Chancen auf seltene Pokémon zu erhöhen. Zusätzlich gibt es nun tägliche Belohnungen und einen Wochenbonus. Die WP der Pokémon wurde angepasst um die Balance der Figuren zu verbessern um Kämpfe in Arenen fairer zu gestalten. Letztendlich gibt es als Thanksgiving-Aktion eine Woche lang die doppelte Anzahl EP und Sternenstaub für jede Aktion, und in dieser Woche tauchte das seltene Pokémon Ditto zum ersten Mal auf.

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Und wie geht es weiter?

Es gibt Gerüchte um ein weiteres großes Update im Dezember, bei dem der langersehnte Handel zwischen den Spielern mit Pokémon und Gegenständen freigeschalten wird. Laut Reddit und Redmond Pie soll es sogar bald eine Ergänzung um die 100 Pokémon der zweiten Generation folgen. Aktuell weiß man, dass Niantic wieder an einer funktionierenden „In der Nähe“-Funktion in ausgewählten amerikanischen Städten probt. Für die Nutzerzahlen und den Umsatz scheint die erstmalige offizielle Veröffentlichung der App in zwei der größten Mobile-Märkten Asiens, China und Südkorea, ein Lichtblick für die Firma zu sein.

Die Updates und Aktionen erwecken fast den Eindruck, Niantic müsse um das Interesse und die Aufmerksamkeit der Nutzer kämpfen. Der Pokémon-Zug scheint jedoch abgefahren zu sein. Das Spiel kam noch in Kinderschuhen auf den Markt, die Updates hätten früher erscheinen sollen, der Winter naht, das Outdoorspiel reizt nicht mehr. Das Konzept der App ist und bleibt jedoch brillant und einzigartig. Für Niantic könnte als zukünftige Strategie die Möglichkeit in Betracht gezogen werden, die zugrundeliegende Technologie dazu zu nutzen, ein ähnliches Game unter einem neuen Namen auf den Markt zu bringen. Aus Fehlern lernt man schließlich und darf von Neuem beginnen. Wir Pokémon-FANS bleiben auch gerne beim altbekannten Videospiel, den Sammelkarten, Merchandise und der Animeserie -  oder leben jedenfalls von der nostalgischen Erinnerung an unserer Kindheit mit den kleinen Monstern. 

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