Rogue One: Was waren die Alternativen?

© Lucasfilm

Kurz vor dem deutschen Blu-Ray-Release von "Rogue One: A Star Wars Story", nehmen wir uns den Film nochmal zur Brust und klären, wie es von der ursprünglichen Idee zum fertigen Film kam und welche alternativen Ideen es gab.


Was war ursprünglich geplant?

In den letzten Monaten und vor allem kurz vor Kinostart Ende 2016 drehten sich viele Gerüchte um "Rogue One". Disney lies plötzlich die Öffentlichkeit an der Entscheidung teilhaben, ob das erste Spin-Off aus dem Star Wars-Universum mit einem klassischen Lauftext eröffnet werden soll, oder ob man diesmal auf dieses Merkmal eines jeden Star Wars-Films verzichten solle. Nun ja, das Ergebnis kennen wir alle. Doch was hatte es wirklich mit den Nachdrehs auf sich und warum haben wir in den Trailern Szenen gesehen, die im fertigen Film gar nicht enthalten waren?


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Die Trailer und der fertige Film

Im ersten langen Trailer gab es viele Szenen mit WOW-Effekt zu bestaunen. Man denke nur an den TIE-Fighter, der plötzlich vor Jyn Erso auf der Sendestation auftaucht. Nur allzu gerne hätten wir diese auch im fertigen Film gesehen. Wie wäre also der Film verlaufen, wenn Jyn dem TIE-Fighter und nicht Krennic auf der Station gegenüber gestanden hätte? Wäre Sie trotzdem gestorben? Und was wäre mit Krennic geschehen? All diese Fragen lassen sich wohl nie gänzlich beantworten und wir können nur vermuten, was eventuell anders verlaufen wäre. Auch die Szene, in der Jyn und Cassien zusammen mit den erbeuteten Todessternplänen über den Strand laufen, fehlt im Film. Hier liegt die Vermutung nahe, dass sich die beiden erst über das Schlachtfeld kämpfen müssen, um an die Sendestation zu kommen. Ganz egal was der ursprüngliche Plan war: Wir vermuten, dass Jyn und Cassien, nachdem sie die Pläne gestohlen hatten, noch an der Schlacht auf Scarif teilnehmen sollten. Und wir hätten absolut nichts dagegen gehabt! Auch in dieser Version hätten die Charaktere nach und nach einen heldenhaften Tod sterben können, dennoch hätten zumindest Jyn und Cassien (vielleicht sogar K-2S0) so noch am eigentlichen Kampf teilnehmen können.

 

Die Tatsache, dass wir im ersten Teaser eine etwas andere Form der Konversation zwischen Jyn und Saw sehen, lässt darauf schließen, dass es wohl auch hier einen alternativen Plan gab. Im fertigen Film gibt es ein Wiedersehen zwischen den beiden und Jyn bekommt zum ersten Mal die Nachricht ihres Vaters über den Todesstern zu sehen. Im Teaser hört es sich allerdings so an, als ob Saw versuche, Jyn zu warnen, sie solle sich nicht von ihm abwenden und der Rebellion beitreten. Schließlich wissen wir, dass Saw im Film nicht der ursprünglichen Rebellion angehört, sondern seinen eigenen Kampf gegen das Imperium führt.

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Die Nachdrehs und alternative Drehbücher

Viele FANs spürten eine große Erschütterung der Macht, als bekannt wurde, dass ca. ein halbes Jahr vor Kinostart Nachdrehs für "Rogue One" angekündigt wurden. Sofort dachte man daran, dass der Film schlecht werden könnte und die FANs nicht das bekommen, was sie wollen. Disney wurde an den Pranger gestellt und die Stimmen über die "Disneyfizierung" wurden lauter. So hieß es beispielsweise, dass Disney mit dem finalen Cut von Gareth Edwards nicht zufrieden sei und den Film familientauglicher machen wolle. Schließlich eilte dem Film ein Ruf voraus: Kriegsfilm! So wäre es eine Enttäuschung gewesen, wenn Disney den fertigen Film oder Teile davon in eine eher familienfreundlichere Ecke gedrängt hätte.

 

Spätestens seit Kinostart wissen wir aber: "Rogue One" ist definitiv kein Familienfilm! Zu ernst ist das Thema, zu viel Action und vor allem ein zu großer Grad an Kriegsgewalt, wenn auch nicht explizit dargestellt. Dass ein vermeintlicher Held ohne mit der Wimper zu zucken seines Gleichen tötet, um sich aus der Patsche zu ziehen, sieht man nicht unbedingt in jedem Disney-Film.

 

Dazu kommt, dass wir eine der großartigsten Szenen im Film eben diesen Nachdrehs zu verdanken haben. Darth Vaders Rebellen-Massaker war ursprünglich nicht in dieser Art vorgesehen. Überhaupt sollte der Auftritt von Vader viel geringer ausfallen, als er es am Ende (glücklicherweise) war.

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Was wir wirklich wissen

Gary Whitta, einer der Autoren von "Rogue One", enthüllte vor kurzem, dass es ein alternatives Ende gegeben hat, falls Disney der Idee mit dem Tod aller Hauptcharaktere nicht zustimmen würde. Es heißt, dass zumindest Jyn und Cassien rechtzeitig von Scarif entkommen wären und die Pläne zu einem späteren Zeitpunkt an Prinzessin Leia übergeben hätten. Die Tatsache, dass Disney und Lucasfilm die erste Version mit dem Tod aller Hauptcharaktere durchgehen lies, beweist also, dass man sich trotz der Nachdrehs umsonst gesorgt hatte. Vielleicht wäre "Rogue One" ohne die Nachdrehs auch ein "schlechterer" Film geworden, als er es jetzt ist... vielleicht aber auch nicht. Whitta betonte außerdem, dass Darth Vader einen der Charaktere persönlich zu Strecke bringen sollte. Dies betraf allerdings nicht einen der Rebellen, sondern niemand geringeres als Orson Krennic, der den Beschuss des Planeten durch den Todesstern überlebte. Hier sollte Krennic an Bord von Vaders Sternzerstörer gebracht werden und durch Vader höchstpersönlich für sein Versagen hingerichtet werden. Natürlich hat auch diese Version ihre Reize, allerdings hätte dann womöglich die finale Vader-Szene im fertigen Film gefehlt. Ein weiteres interessantes Detail ist, dass es anfangs wohl geplant war, Jyn Ersos Mutter als Jedi einzuführen. Der Prolog sollte damit beginnen, dass das Imperium durch die Galaxis streift, um die restlichen Jedi auszulöschen und dabei natürlich auf die Familie Erso trifft...

 

 

Gary Whitta bei Entertainment Weekly:

 

"They got away in an escape pod just in time,” Whitta said. “The pod looked like just another piece of debris … The transfer of the plans happened later. They jumped away and later [Leia’s] ship came in from Alderaan to help them. The ship-to-ship data transfer happened off Scarif."

 

 

Auch wenn die finale Version für einen runden Abschluss des Films gesorgt hat, hätten sich viele vielleicht auch ein alternatives Ende gewünscht in dem zumindest Jyn Erso überlebt. Für manche scheint sie der Ausgleich zur ebenfalls mit Episode VII neu eingeführten Rey zu sein. Wo Rey doch eine zu Beginn kampfscheue und lieber zurückgezogene Einzelgängerin verkörpert, ist Jyn das komplette Gegenteil. Sie scheut sich nicht vor dem Kampf und davor, sich ihrem Schicksal zu stellen. Noch vor Kinostart wurde viel spekuliert, ob es sich bei Rey um Jyns Tochter oder irgendeine andere Vewandte handeln könnte, was aber zumindest jetzt doch sehr unwahrscheinlich ist.

 

Welcher Film "Rogue One" zu Beginn auch sein sollte, wir sind uns sicher, dass Gareth Edwards und Disney hier die richtigen Entscheidungen getroffen haben. Leider bekommen wir Stand heute keine alternativen und zusätzlichen Szenen auf der Blu-Ray zu sehen. Das heißt aber nicht, dass wir nie in den Genuss von anderem Material kommen dürfen, denn was nicht ist, kann immer noch werden...

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