Film Review: Get Out

© Universal Pictures

Horrorfilm gefällig? Wir berichten euch, warum ihr mit "Get Out" mehr als nur 08/15-Hollywood Horror zu sehen bekommt. Hier erfahrt ihr mehr.


Es hätte so schön sein können!

Mit "Get Out" kommt mal wieder ein neuer Horrorfilm in die deutschen Kinos. Doch wenn man als Zuschauer einen Standard Jump-Scare-Horror oder einen ordentlichen Splatter-Film erwartet, liegt man diesmal um einiges daneben. Zunächst beginnt "Get Out" wie viele Filme des Genres: Ein junger Mann fährt mit seiner Freundin aus der Stadt heraus aufs Land, um endlich zum ersten Mal die Schwiegereltern kennen zu lernen. Dass dieser dabei schwarz ist und die Schwiegereltern in spe von ihrem Glück noch nichts wissen, könnte der übliche Beginn einer neuen Komödie sein, bei der unterschiedliche Kulturen und Wertvorstellungen aufeinander treffen. Doch damit weit gefehlt - der idyllische Trip zum Besuch der Eltern wird ein Psychothriller, bei dem die Hautfarbe die zentrale Rolle spielt. Natürlich ist augenscheinlich bei dem ersten Treffen ein warmherziger Empfang vorbereitet und die Schwiegereltern tun so, als ob sie sich nichts lieber wünschen würden als einen afro-amerikanischen Enkel. Von diesem Punkt an entwickelt sich der Film nicht nur zu einem wirklichen Psychothriller, sondern bringt auch eine Menge gesellschaftskritische Aspekte mit sich.


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Starke Leistung

Diese werden dabei überzeugend vermittelt, da der Zuschauer praktisch aus der Sicht unseres Protagonisten mit sehr subtilen aber unmissverständlichen Einstellungen der durch und durch weißen Armitage-Familie konfrontiert wird. Dies geschieht dabei auf eine Art und Weise, die einem Psychothriller wirklich sehr gerecht wird. Sämtliche Schauspieler der Ortsansässigen spielen die aufgesetzte Einstellung wirklich sehr beeindruckend. Aber auch der Hauptdarsteller Daniel Kaluuya reagiert mit angemessenem Entsetzen auf die herrschenden Gegebenheiten. Dabei wird eine Vielzahl von gesellschaftskritischen Einstellungen gegenüber Afro-Amerikanern hervorgeholt. Die Kombination aus diesen merkwürdigen Hinweisen, den teilweise wirklich gruseligen Momenten durch das Verhalten der Anwohner und die letztgenannte Gesellschaftskritik verleihen dem Film dabei eine einzigartige Note.

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Dies hält jedoch nicht den ganzen Film an, denn ab einer gewissen Szene verfällt "Get Out" doch wieder in einige alte Horrorklischees, die zwar teilweise auch als eine Persiflage dienen sollen, letzten Endes aber besser hätten gelöst werden können. Die ein oder andere überraschende Wendung bzw. ein Ende, dass noch etwas mehr die Message des Films unterstreicht hätte dabei nicht geschadet. Insgesamt traut sich allerdings „Get Out“ doch Einiges und holt zu einem wirklich kritischen Rundumschlag gesellschaftlich aufgesetzter Gleichberechtigung von Afro-Amerikanern aus und ist somit nicht nur ein sehr spannender Psychothriller, sondern auch inhaltlich wirklich wertvoll.

+ Starke gesellschaftliche Kritik, satirisch verpackt

+ Vom gesamten Cast wirklich gute schauspielerische Leistung

+ Sehr gute und bedrückende Psychothriller-Atmosphäre

- Zweite Hälfte verfällt leider etwas in Klischees

- Das Ende hätte der Botschaft etwas angepasst werden können


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