Film Review: Es

© Warner Bros. Pictures

Seit Donnerstag flutet die Neuauflage des Horror-Klassikers „Es“ die deutschen Kinos und spaltet viele Gemüter. Nochmal mit dem Kindheitstrauma in Form des Clowns Pennywise auseinandersetzen oder lieber doch nicht? Schaut hier, ob es sich dafür lohnt…


27 years later...

27 Jahre nach dem legendären Film "Es" erscheint nun die Neuauflage und versucht an die Erfolge des damaligen Films anzuknüpfen. Die Hauptrolle wird dabei von Bill Skarsgard übernommen, welcher an die nahezu einzigartige Performance von Tim Curry anknüpfen möchte. Um Spoiler möglichst zu vermeiden, wird in diesem Review nur wenig auf Gemeinsamkeiten oder Unterschiede hingewiesen. Fakt ist allerdings, dass der damalige "Es" ein Must-See für jeden ist, der gerne Filme schaut. Um die Story der Neuauflage kurz anzureißen: Es geht um die Geschichte von Kindern in einem kleinen Ort namens Denbrough im Jahr 1988. Eigentlich scheint es ein normaler Alltag für die Kids zu sein, doch passieren in Denbrough merkwürdige Geschehnisse und viele Kinder verschwinden auf mysteriöse Weise. Dass der Clown Pennywise etwas damit zu tun hat, ist nicht schwer zu erraten und die Kinder machen sich daran, die Ereignisse aufzuklären. Diese haben dabei jeder für sich mit ihren eigenen Problem zu kämpfen und dementsprechend nennen sie sich den "Club der Loser". 


© Warner Bros. Pictures

Das Vermächtnis des Tim Curry

Um dieses Mal mit den Kritikpunkten zu beginnen: Es wurde im Vorfeld vor allem im Trailer und sämtlichen Marketingmaßnahmen ein sehr schauriges Image des Films erschaffen. An die seinesgleichen suchende Performance von Tim Curry wurde sehr geschickt erinnert, indem manche Szenen fast 1:1 neu gedreht und in die verschiedenen Trailer eingebunden wurden. Somit sind Besucher des Films vor Sichtung auf die schlimmsten Horrorszenarien gefasst. Diese Erwartungshaltung wird zwar nicht enttäuscht und man wird solide geschockt mit einer hochwertigen Inszenierung, allerdings handelt es sich dabei um keine Revolution im Horror-Genre. Dabei spiel Bill Skarsgard eine etwas andere Interpretation von Pennywise, der generell etwas verrückter und unberechenbarer wirkt als der Horrorclown von Tim Curry. Dies ist nicht unbedingt besser oder schlechter - nur eben eine andere Interpretation. Natürlich ist die Wahrnehmung von Horror immer individuell, allerdings entsteht durch die Geschichte der Kinder und der generell sehr hellen Szenerie eine nur eingeschränkt bedrückende Atmosphäre.

© Warner Bros. Pictures

Schauspielerisch Chapeau!

Dies ist allerdings nicht als schlecht zu bewerten, denn dort setzten die wirklichen Pluspunkte von "Es" ein. In Erwartung eines Horrorfilms, der hauptsächlich mit Kindern besetzt ist,  gibt es häufig berechtigte Zweifel, ob diese die schauspielerischen Leistungen von Erwachsenen aufbringen können. Doch dies gelingt in "Es" durch und durch. Alle Kinder sind brillant besetzt und bringen gut die eigenen Unsicherheiten und Ängste der Rollen rüber, sodass die gesamte Thematik der Probleme, die es beim Aufwachsen von Teenagern gibt, überragend dargestellt werden. Diese Leistung führt dazu, dass die Geschichte sehr angenehm anzuschauen ist und an keiner Stelle auch nur im Entferntesten langweilig wirkt, trotz der stolzen Laufzeit von 135 Minuten. Die Ängste der Kinder werden interessant und tiefgründig umgesetzt und vor allem die Gruppendynamik ist herauszustellen.

Insgesamt wurde vom Regisseur Andrés Muschietti, ein bisher noch relativ unbekannter Name, ein wirkliches Meisterwerk geschaffen, dass sich in keiner Weise hinter dem alten "Es" verstecken muss. Natürlich ist die damalige Performance von Tim Curry vielleicht niemals einzuholen, doch den aktuellen "Es" kann man absolut empfehlen.


+ Schauspielerische Leistung der Kinder auf höchstem Niveau

+ Generelle Inszenierung des Films und der Ängste

+ Intelligente Geschichte der Buchvorlage kommt authentisch rüber

- Die bedrückende Horroratmosphäre ist nicht unbedingt schlecht, aber mittlerweile doch nicht mehr Standard


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