Buch Review: Beren und Luthien

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Neue Geschichten aus dem "Herr der Ringe"-Universum sind prinzipiell schon einmal ein Grund zur Freude! Als 2017 das Buch "Beren und Luthien" veröffentlich wurde, konnten wir unsere Freude natürlich nicht verbergen. Wir haben unsere Lesebrille abgestaubt und uns das Buch vorgenommen.


Aller Anfang ist schwer

Gleich zu Beginn des Buches wird klar, dass es komplett anders strukturiert ist als beispielsweise "Der Hobbit" oder die "Herr der Ringe"-Trilogie. Das ca. 50 Seiten lange Vorwort beschreibt die Entstehung des Buches aus der Sicht von Christopher Tolkien, dem Sohn J.R.R. Tolkiens. Des Weiteren wird Tolkiens Leben genauer beleuchtet und sein Prozess bei der Entwicklung des Mittelerde-Universums veranschaulicht. Außerdem werden Passagen aus dem Buch "Das Silmarillion" wiedergegeben und zusammengefasst, um das nötige Vorwissen für die im Buch beschriebene Geschichte zu erlangen. Dies ist zu Beginn zwar etwas ermüdend und langwierig, erspart dem Leser allerdings die Auseinandersetzung mit einem weiteren Buch. Die letzten 20 Seiten sind zusätzlich mit einem Namens- und Vokabelverzeichnis versehen, in dem der Leser jederzeit nachschlagen kann. FANs des "Herr der Ringe"-Kosmos können sich also auf jede Menge Informationen freuen, die das gesamte Universum rund um Mittelerde erweitern und eventuell schon bekannte Aspekte erneut aufgreifen.

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Die Geschichte Beren und Luthiens

Der sterbliche Beren verliebt sich in die unsterbliche Elbin Luthien Tinuviel als er diese bei der Durchquerung eines Waldes singen hört. Nach einiger Zeit beginnt auch Luthien sich in den Menschen zu verlieben, allerdings wird die junge Liebe durch den Vater Luthiens unterbunden, der nicht möchte, dass sich seine Tochter mit einem niederen Sterblichen vermählt. Wild entschlossen, Luthien zur Frau zu nehmen, erklärt sich Beren bereit, jede Aufgabe zu erfüllen, die ihm ihr Vater stellt. Dieser verhöhnt Beren und stellt ihm die unmögliche Aufgabe, einen Silmaril aus der Krone Morgoths zu rauben und ihm zu bringen. Unmöglich scheint diese Aufgabe aufgrund der Tatsache, dass Morgoth ein ehemaliger Valar (gottähnliches Wesen) ist, der sich gegen die restlichen Valar gestellt hat und Mittelerde während des ersten Zeitalters mit Angst und Schrecken überzogen hat. Außerdem war er der Lehrmeister Saurons, was wohl eindeutig genug verdeutlicht, dass man diese Person lieber nicht beklauen sollte. Blind vor Liebe nimmt Beren die Aufgabe an und macht sich auf den Weg zu Morgoths Festung. Die Geschichte von Beren und Luthien bildet einen wesentlichen Bestandteil der Mythologie Tolkiens. Dabei ist sie in dem Mittelerde-Universum so wichtig, dass sie sogar in "Der Herr der Ringe" angerissen wird. So berichtet Aragorn Frodo, Sam, Merry und Pipin auf der Wetterspitze von deren Liebesgeschichte, um ihnen die Angst vor den Nazgul zu nehmen.

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Eine "wahre" Liebesgeschichte

Die Geschichte von Beren und Luthien nimmt nicht nur in der Welt Mittelerdes einen besonderen Stellenwert ein, sondern auch in Tolkiens Leben persönlich. So beschreibt die Geschichte der beiden unglücklich Verliebten in gewisser Weise die Liebesgeschichte von Tolkien selbst. So wurde Tolkien und seiner Geliebten die Ehe anfangs untersagt, da sie unter anderem unterschiedlichen Konfessionen angehörten. Als Tolkien volljährig wurde, nahm er erstmals wieder Kontakt zu seiner Geliebten auf. Dieser wurde jedoch aufgrund des Ersten Weltkrieges unterbrochen, da Tolkien eingezogen und nach Somme geschickt wurde. Nachdem er an Grabenfieber erkrankt war, wurde er nach England verfrachtet, wo er die nächsten Jahre damit verbrachte, im Krankenbett seine Geschichten zu schreiben. Als er eines Tages mit seiner nun angetrauten Frau einen Spaziergang in einem Park machte, begann diese für Tolkien zu singen und zu tanzen. Daraufhin begann er die Geschichte von Beren und Luthien zu verfassen. Man kann klare Parallelen zwischen Tolkiens und Berens Liebesgeschichte erkennen. So wurde beiden die Beziehung zu ihrer geliebten Person zunächst untersagt. Außerdem mussten beide Aufgabe erfüllen, die als unmöglich galten: Beren musste lebend aus der Festung Morgoths zurückkehren und Tolkien musste den Ersten Weltkrieg und die Schlacht an der Somme überleben. Tolkien hat eine so enge Beziehung zu der Geschichte, dass er den Namen Luthien auf den Grabstein seiner Frau und den Namen Beren auf seinen eigenen Grabstein gravieren ließ.

© Julian Nitzsche

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