Serien Review: Marvel's The Punisher

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Die Erwartungen waren groß als Netflix verkündete, eine Serie rund um den brutalsten aller Marvel Comic-Helden zu produzieren - dem Punisher! Bereits in der zweiten Staffel von "Daredevil" legte Frank Castle einen epischen Auftritt hin. Seit dem 17. November ist der Punisher nun mit seiner eigenen Serie vertreten. In unserem Review zur ersten Staffel erfahrt ihr, ob die hohen Erwartungen erfüllt werden konnten. 


Frank fu**ing Castle tritt den bösen Buben in den Arsch!

Nun ja, so oder so ähnlich erwartet man es wohl, wenn man sich eine Serie anschaut, die sich um den brutalen Anti-Helden dreht. Ganz so einfach ist es aber dann doch nicht, wie die neuste Netflix-Serie aus dem Hause Marvel beweist. Aber fangen wir erst einmal ganz von vorne an: Für viele gilt der Auftritt des von Jon Bernthal verkörperten Ex-Soldaten in der zweite, Staffel von "Daredevil" zum absoluten Höhepunkt der gesamten Marvel-Serien von Netflix. Nur Wilson Fisk dürfte noch eine Spur imposanter verkörpert sein. Es war natürlich nur eine Frage der Zeit bis auch Frank Castle seine eigene Serienadaption bekommt. Diese startet auch sehr viel versprechend, erlaubt sich aber gerade in der Staffelmitte einige Ausreißer, die man so von einer "Punisher"-Serie nicht erwarten würde.

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Bodenständig, brutal, tiefgründig?

Die Serie beginnt mit der Tötung der letzten Verantwortlichen für den Tod von Castles Familie. Die Kaltblütigkeit des Punishers wird gleich zu Beginn deutlich und stimmt auf das vermeintlich kommende Massensterben von Bösewichten durch die Gnadenlosigkeit des Protagonisten ein. Doch bereits die zweite Folge schaltet mehrere Gänge runter und statt eines Actionfeuerwerks nach dem anderen wird der Zuschauer mit auf eine Reise genommen, die sich hauptsächlich mit dem Erlebten und den Gräueltaten von Soldaten während des letzten Kriegseinsatzes beschäftigt. Neben der Haupthandlung, in der Frank langsam den wahren Strippenziehern der Ermordung seiner Familie auf die Sprünge kommt, breitet sich nämlich noch ein weiterer Nebenplot über einen Soldaten aus, der nach der Heimkehr aus dem Krieg in eine psychische Krise fällt und krampfhaft versucht, einen Platz in der Gesellschaft zu finden. Dieser Nebenplot ist so präsent während der gesamten Staffelmitte, dass man den Eindruck bekommt, eine Dramaserie über fallengelassene Soldaten zu sehen anstatt einer Actionserie, in der unser Punisher alles über den Haufen ballert was ihm in die Quere kommt. Dazu kommt, dass der Nebenplot nicht wirklich etwas mit der eigentlichen Spurensuche von Frank zu tun hat und im letzten Drittel der Staffel etwas unbefriedigend aufgelöst wird. Das heißt aber noch lange nicht, dass diese Nebengeschichte schlecht ist. Sie hat einen sehr aktuellen Bezug und schielt mit einem Auge auch auf die amerikanische Waffenpolitik, was in den Zeiten von Trump & Co KG eine erschreckend authentische Wirkung hat.

 

FANs des Arschaufreißers Frank Castle können aber beruhigt sein: Ist diese Storyline in der 10. Folge erst einmal abgeschlossen, bekommt der geduldige Zuschauer endlich was er verdient. Danach sehen wir die wohl beste Punisher-Performance seit dem Kinofilm von 2004. Frank Castle bestraft, tötet, foltert und macht all die schönen Dinge, die wir von ihm gewohnt sind. Jon Bernthal spielt die Rolle auf einer Stufe, die mit diesem Charakter noch nie erreicht wurde. Sein Castle ist kaputt, seelisch am Ende und eiskalt. Dazu muss man sagen, dass sich die erste Staffel auch mehr mit dem Mann hinter dem Namen "Punisher" beschäftigt anstatt mit dem eigentlichen Anti-Helden.  


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Warum sollte man sich "The Punisher" anschauen?

Diese Frage ist einfach beantwortet. "The Punisher" schlägt einen anderen Weg ein als viele es vermutet hätten. Die Story rund um militärische Geheimoperationen, Verschwörungen und CIA-Hintermänner ist nicht unbedingt die orginellste und man weiß schon von vorn herein, welche Story-Twists noch kommen werden. Dennoch ist es mal eine andere Sichtweise, mit der wir auf den Punisher blicken können. Mystische Ansätze wie in "Daredevil" und Co. sucht man hier vergeblich und auch der Auftritt von Charakteren aus den anderen Serien hält sich in Grenzen (bis auf Karen Page und ihren Boss aus "Daredevil"). Eigentlich immer eine gute Sache, jedoch will die erste Staffel so nicht ins restliche FANiversum der Marvel-Serien passen. Dies ist aber nicht unbedingt ein negativer Punkt und vielleicht werden in der zweiten Staffel ja weitere Wege geebnet, sodass der Punisher auch seinen verdienten "Defenders" Auftritt bekommt. 

 

Bis es soweit ist müssen wir uns aber erstmal mit den 13 Folgen der ersten Staffel zufrieden geben. Wem das (verständlicherweise) zu wenig Punisher ist, dem raten wir, sich nochmal die zweite Staffel von "Daredevil" anzusehen. Dort bekommt der geneigte FAN nämlich den Frank Castle zu sehen, den er aus den Comics kennt. In seiner eigenen Serie ist er bis auf die wenigen actionreichen Episoden leider komplett austauschbar, was dennoch nicht unbedingt ein negatives Kriterium für die Staffel sein sollte.   

Mit "The Punisher" bekommen die FANs endlich die heiß erwartete Serienadaption im Marvel-Kanon der Netflix-Serien spendiert. Wer offen für neue Sichtweisen ist und damit klar kommt, dass die nebenbei erwähnt brutalste Action in einer Marvel-Serie erst gegen Ende aufkommt, sollte sich Frank Castles Soloauftritt nicht entgehen lassen. Dennoch sind die Auftritte des Titelhelden in "Daredevil" die besseren, zumindest was die Figur "Punisher" angeht. 


+ Brutal und schonungslos

+ Wenige aber intensive Actionszenen

+ Erfrischende Sichtweise auf den Protagonisten

- Zu präsenter Nebenplot

- Etwas Langeweile macht sich in der Mitte der Staffel breit

- Unnötiges in die Länge ziehen der Handlung


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