Film Review: Alles Geld der Welt

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Die Oscars werfen ihre Schatten voraus und es flimmern einige Hochkaräter über die Kinoleinwand. Mit "Alles Geld der Welt" will Ridley Scott bei den Oscar-Nominierungen einen ernsthaften Konkurrenten einbringen. Hier erfahrt ihr, was daraus geworden ist…


Auf Oscarjagd?!

Unterm Strich ist für das Werk des erfahrenen Regisseurs Ridley Scott eine Oscar-Nominierung in Person von Christopher Plummer in der Kategorie "Bester Nebendarsteller" geblieben, der letztendlich nach den Skandalen rund um Kevin Spacey für diesen nachbesetzt wurde. Im Folgenden möchten wir uns allerdings lediglich um den Film kümmern und nicht um sonstige Boulevardpresse, die es bei diesem Film nicht nur in puncto Kevin Spacey, sondern auch in Sachen finanzielle Gleichstellung in Hollywood in sich hatte. Der auf wahren Begebenheiten basierende Film dreht sich rund um die Entführung des jungen John Paul Getty III, dessen Großvater 1973 einer der reichsten Menschen der Welt war. Die Entführer forderten damals 17 Millionen Lösegeld, die der alte Öl-Milliardär nicht bereit war zu zahlen. Nun ist es an der verzweifelten Mutter, die von Michelle Williams gespielt wird, und dem ehemaligen CIA-Spion Fletcher Chase (Mark Wahlberg) den verschollenen Sohn zu finden. So beginnt eine erbitterte Verhandlung zwischen den Entführern, der Mutter und dem geldhortenden Großvater, der nicht bereit ist Lösegeld für seinen Enkel zu bezahlen.


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Jean Paul Getty strahlt...

Dies leitet auch über zu einem der positiven Punkte des Films. Die Darstellung des habgierigen und kalten Jean Paul Getty ist Christopher Plummer wirklich gelungen. Schon von Beginn an, wenn seine Aktionen eigentlich positiv ausgelegt werden sollten, bemerkt man, dass charakterlich irgendetwas nicht stimmt. Diese Kälte und eigene Rechtfertigung für das Verhalten ist ebenso skrupellos wie authentisch. Somit ist die Oscar-Nominierung in jedem Fall gerechtfertigt, auch wenn bei der sehr starken Konkurrenz mit Sam Rockwell oder Willem Dafoe wahrscheinlich keine wirkliche Chance bestehen sollte - dafür ist diese Performance nicht nachhaltig beeindruckend genug. Insgesamt ist die ganze Geschichte auch in einer wirklich ansprechenden Landschaft gedreht und der Zauber Roms und Süditaliens wird sehr gut eingefangen. Diese stehen dabei gut im Kontrast zu den Szenen in London, in denen John Paul Getty in einem tristen und farblosen Bild zu sehen ist - passend zu der verbreiteten Stimmung rund um den Öl-Tycoon.

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...doch trotzdem viel Schatten!

Wirkliche schauspielerische Glanzstücke lässt der restliche Film allerdings vermissen. Michelle Williams wirkt in viele Szenen fast schon gleichgültig gegenüber der Entführung ihres Sohnes, was zwar wahrscheinlich vor der Presse gewollt ist (da ihr dies im Film auch vorgeworfen wird), doch in privaten Szenen sollte dies nicht der Fall sein. Sie wirkt insgesamt einfach nicht wirklich passend in der Rolle und oftmals zu aufgesetzt. Auch mit Mark Wahlberg weiß man nicht wirklich etwas anzufangen, seine Emotionalität schwankt sehr und sein Einfluss auf die gesamte Geschichte ist fraglich. 

Insgesamt ist der Film für eine Zielgruppe interessant, die sich für die damaligen Vorkommnisse des Entführungsfalls interessiert. Sonst kann der "Alles Geld der Welt" allerdings trotz starkem Christopher Plummer nicht überzeugen, da die Geschichte vor sich hinplätschert ohne wirkliche Höhepunkte zu haben. 


+ Wirklich gut eingesetzte Drehorte

+ Christopher Plummer überzeugt

- Michelle Williams wirkt überfordert und Mark Wahlberg überzeugt auch nicht wirklich

- Kein wirklicher Spannungsbogen


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