Film Review: Auslöschung

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Der neuste Netflix-Verfilmung "Auslöschung", basierend auf dem ersten Teil  der Southern-Reach Trilogie von Autor Jeff VanderMeer, ist nach langer Wartezeit endlich verfügbar. In unserem Review sagen wir euch, ob der Streifen hält, was er verspricht und ob wir hier einen neuen Meilenstein des Science-Fiction Genres bestaunen dürfen.


Der Hintergrund des Films

Ursprünglich war der Film des Ex Machina Regisseurs Alex Garland für das breite Kinopublikum gedacht. Die originale Fassung des Films sorgte jedoch dafür, dass eine beteiligte Produktionsfirma, Skydance Media, den fertigen Film so abändern wollte, dass er auch für "Otto-Normalverbraucher" zugänglich ist. Zum Glück (mehr oder weniger) kam Netflix ins Spiel und bot Paramount Pictures  an, den fertigen Film zu kaufen, um ihn auf der Streaming-Plattform für den Rest der Welt zu veröffentlichen (in den USA ist er im Kino zu sehen). Paramount Pictures verfügte nämlich über die internationalen Vertriebsrechte. Was mit Auslöschung wohl passiert wäre, wenn Skydance Media sich durchgesetzt hätte? Wir werden es wohl nie erfahren, sind aber trotzdem froh, dass wir den Film so zu sehen bekommen, wie ihn uns der Regisseur zeigen wollte. Auslöschung ist nämlich einer der besten Filme, die Netflix momentan zu bieten hat...

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Schwere Kost? Man muss sich nur drauf einlassen

Eins sei vorab gesagt: Jeder der sich auf diesen Film einlässt, wird noch Tage später darüber grübeln, was uns Alex Garland mit diesem bildgewaltigen Science-Fiction-Horror sagen will. Die Biologin und frühere Soldatin Lena (Natalie Portman) fristet ein trauriges Dasein, seitdem ihr Mann Kane (Oscaar Isaac), seines Zeichens ebenfalls Soldat, auf eine Mission geschickt wurde, um eine rätselhafte Erscheinung genannt "Der Schimmer" im Herzen der USA zu untersuchen. Bis jetzt ist nämlich niemand, der den Schimmer betreten hat, wieder zurück gekehrt. Zwölf Monate nach Kanes verschwinden taucht dieser jedoch scheinbar völlig traumatisiert wieder im gemeinsamen Haus auf. Als dann bei Kane sehr starke innere Blutungen festgestellt werden und er förmlich im Sterben liegt, setzt Lena alles daran herauszufinden, was in diesem Schimmer vor sich geht. Gemeinsam mit vier anderen Wissenschaftlerinnen begibt sie sich selbst auf die Suche nach Antworten und betritt den Schimmer...

 

Aus Spoilergründen, wollen wir nicht mehr zur eigentlichen Handlung des Films verraten. Nur so viel sei gesagt: Wer die knapp zwei Stunden Laufzeit hinter sich gebracht hat, wird erkennen wieviel Kreativität und Feingefühl in diesem Film stecken. Dieser beruht nämlich nur lose auf der Handlung der Romanvorlage und dürfte so auch für Kenner des Buches eine Überraschung sein. 

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Natalie Portman in Höchstform

Dass Natalie Portman eine der besten Schauspielerinnen unserer Zeit ist, wissen wir spätestens seit ihrer Rolle in Black Swan. Auch in Auslöschung beweist sie einmal mehr ihr Talent und verkörpert die Figur der Lena mit sehr großer Leidenschaft. Generell sind alle Figuren im Film gut ausgearbeitet, auch wenn sich die restlichen Darsteller, allen voran Jennifer Jason Leigh, nicht ganz an die Qualität von Portman heran spielen können. Ein besonderes Lob möchten wir an dieser Stelle an Oscar Isaac aussprechen. Auch er kann mehr als Star Wars und X-Men und wir erkennen früh, dass auch in ihm ein sehr guter Charakterdarsteller schlummert. Zu Beginn des Films bekommen wir einen guten Eindruck davon, wenn er den wiederkehrenden Kane verkörpert und man ihm das vermeintliche Trauma in seinem leeren Blick ablesen kann. Damit wird eine starke Bedrohlichkeit hervorgerufen und man weiß nie, was seine Figur als nächstes tun wird. 

 

Die restlichen Figuren sind mehr oder minder das übliche Beiwerk, haben aber jeder für sich eine interessante, wenn auch kurz erzählte, Hintergrundgeschichte. Diese sind jedoch essenziell, um die Entscheidung zu rechtfertigen sich in den Schimmer zu begeben.

Visuell überzeugend

Aus der visuellen Qualität lässt sich sofort erkennen, dass wir uns hier einen hochwertigen Steifen anschauen, der die Veröffentlichung im Kino (außerhalb der USA) auf jeden Fall verdient hätte. Die Bildsprache versucht sehr viel zu vermitteln, was sie auch hin und wieder schafft, jedoch liegt das Hauptaugenmerk der gezeigten Bilder (vor allem zum Ende hin) immer auf der freien Interpretation des Zuschauers. Ein Film zum Mitdenken eben! Es fällt wirklich schwer über den Film zu sprechen ohne zu viel zu spoilern, da Auslöschung einfach ein Erlebnis ist, welches man selbst durchlebt haben muss. Die vielen guten Ideen bzgl. Mutation, Neuerschaffung und Anpassung wirken nur dann richtig, wenn man den Film selbst gesehen hat.

Abschließend können wir sagen, dass Netflix hier ein wirklich guter Deal gelungen ist. Nach vielen, eher mittelmäßigen "Netflix Originalen", bekommt der Zuschauer einen Film geliefert, der noch tagelang nachwirken und die ein oder andere Google-Suche in Anspruch nehmen wird. Dennoch wird es auch viele Zuschauer geben, die mit diesem Film nichts anfangen können, da er sie womöglich am Ende mit einem riesigen Fragezeichen zurücklässt. Wer sich also gerne selbst eine eigene Meinung bzw. eigene Erklärungen bilden will und nicht jede Szene erklärt haben muss, ist mit Auslöschung bestens bedient. Sicherlich wäre der Film auch außerhalb der USA auf der Leinwand sehr viel besser aufgehoben, doch leider handelt es sich nicht um mainstreamartiges Popcornkino, was das produzierende Studio wahrscheinlich dazu bewegt hat, diesen Schritt zu gehen. Auslöschung wäre wohl kein besonders großer Erfolg an der Kinokasse geworden... oder doch? ;)


+ Ein Film zum Mitdenken

+ Tolle Bilder und einfallsreiche Ideen

+ Schauspielerische Leistung

+ Gelungener Mix aus Sci-Fi, Horror, und Drama

- Liefert kaum Erklärungen, deswegen nicht unbedingt für jeden etwas

 


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