Film Review: Hereditary – Das Vermächtnis

Hereditary Filmposter Haus

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Mal wieder Lust auf einen Horrorfilm? Aber nicht auf einem nach Schema F? Wir verraten euch in unserem Review, weshalb Hereditary von der Masse heraussticht…


Ein Debüt!

Mit Hereditary sitzt ein Regisseur-Newcomer auf dem Sitz des Directors. Ari Aster möchte mit seiner ersten großen Produktion einen echten Volltreffer landen. So scheint es, dass erfahrene Schauspieler ihm dabei unter die Arme greifen sollen. Unter anderem wurde Toni Collette als Hauptdarstellerin in einer Reise durch das Genre des Horrors engagiert. In Hereditary geht es um eine Familie in einem Haus, die vor Kurzem den Tod der Großmutter erleiden musste. Ohne weiter auf die Story einzugehen geschehen erwartungsgemäß unerwartete Dinge, die dem Zuschauer das Blut in den Adern gefrieren lassen sollen. Hört sich auf den ersten Moment nach einer 08/15-Horrorgeschichte an? Zugegebenermaßen ja, aber die Umsetzung macht den gesamten Film zu einer komplett anderen Erfahrung als erwartet. 

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Unfassbare Vielfalt

Dabei ist vor allem Toni Collette hervorzuheben, die sich in sämtlichen Belangen in einen wirklichen Rausch spielt. Seien es Horrorelemente oder familiäre Schicksalsschläge, die Performance ist einfach nur beeindruckend und lässt in vielen Szenen die Zuschauerschaft im Staunen zurück. Ari Aster greift insgesamt auf eine wirklich breite Horrorpalette zurück und nutz unfassbar viele verschiedenen Horrorelemente. Dabei hat es der Film gar nicht nötig die offensichtlichen Jump-Scares einzubauen, sondern benutzt auch an vielen Stellen die Aufmerksamkeit des Zuschauers, um das Entsetzen an der Szene selbst zu entdecken. Doch nicht nur erschreckende Momente lassen den Zuschauer in Angst zurück - der Regisseur spielt bewusst mit entsetzlichen Geschichtselementen, um durchweg ein unangenehmes Gefühl zu erzeugen. Es wird mit allen Mitteln versucht Unbehagen hervorzurufen, was viele Horrorfilme einfach nicht vermögen. Hinzu kommt noch eine nahezu perfekte musikalische Untermalung, die gleichermaßen mit spannungssteigernden Melodien und atonalen Stellen vor allem in Stresssituationen aufwartet.

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Keine Längen!

Somit ist Hereditary ein Film, der mit einer Länge von 128 Minuten vor allem im Horrorfilmgenre einen der längeren Parts einnimmt, jedoch in keiner Weise langatmig oder gezogen erscheint. Die Geschichte ist von Weitem betrachtet kein neu erfundenes Rad, doch erscheint sie vollkommen anders durch die starken schauspielerischen Leistungen und das Breitband an Horrorelementen. Das Ende ist tendenziell etwas übertrieben, dies bezieht sich allerdings nur auf die letzten Minuten.

Feinde - Hostiles Poster Christian Bale Wes Studi Hauptdarsteller Schwarz Weiß

So ist Ari Aster als Regiedebütant bei einer größeren Produktion ein wirkliches Schmuckstück gelungen. Weitaus erfahrenere Regisseure können in Bezug auf das Handwerk dieses Horrorfilms noch einiges lernen. Für Zuschauer mit schwachen und auch mittelstarken Nerven ist der Film wirklich mit großer Vorsicht oder zumindest ein paar Händen vor dem Gesicht zu genießen. Somit uneingeschränkte Empfehlung für Horrorjunkies ohne Herzschrittmacher!


+ Toni Collettes wahnsinnige Performance

+ Vielseitige Horrorelemente brillant eingesetzt

+ Musikalische Untermalung

+ Entsetzliche Schockmomente erzeugen unbeschreibliches Unbehagen

+  Viele Dinge, die der Zuschauer selbst entdecken kann bzw. muss

- Geschichte nicht bahnbrechend, fällt allerdings durch die Inszenierung nicht wirklich auf

- Ende tendenziell etwas zu extrem gestaltet