Film Review: Bird Box

Film Review Bird Box Netflix Sandra Bullock FANwerk

© Netflix

"A Quiet Place" wird zu "A Blind Place". So oder so ähnlich würden viele den neuen Netflix-Film von Regisseurin Susanne Bier beschreiben. Warum er doch ganz anders ist und auch sehr gute Momente vorweisen kann, klären wir im Review!

 


Das bessere The Happening?

Bei Bird Box steht nicht nur der Vergleich mit "A Quiet Place" im Raum. Zusätzlich ähnelt der Film mehr dem von M. Night Shayamalanyna inszenierten "The Happening" mit Mark Wahlberg aus dem Jahr 2007. Die Handlung weißt nämlich deutliche Ähnlichkeiten auf: Auf der ganzen Welt kommt es urplötzlich zu merkwürdigen Ereignissen. Die Menschen bringen sich wie von Geisterhand gesteuert selbst um. Dadurch entsteht das pure Chaos, was auch die beiden Schwestern Malorie (Sandra Bullock) und Jessica (Sarah Paulson) zu spüren bekommen. Auf der Flucht vor unbekannten Wesen, denen man nur entkommen kann, wenn man nicht hinsieht, landet Malorie in einem Haus mit weiteren Überlebenden. Als die Vorräte zu Neige zu gehen, nimmt das Chaos jedoch einen weiteren furchtbaren Verlauf...

 

Der Film streut neben der Haupthandlung im Haus immer wieder spätere Ereignisse ein, die während einer Bootsfahrt mit Malorie und ihrem Kind bzw. dem Kind einer anderen Überlebenden aus dem Haus ganze fünf Jahre später stattfinden. Die Erzählweise ist dabei nicht ungewöhnlich und fügt sich gut in die Haupthandlung ein. Sandra Bullock kann in ihrer Hauptrolle durchweg überzeugen. Ihre Figur, die werdende Mutter Malorie, ist gezeichnet von einer Trennung und sie versucht in erster Linie mit ihrer Schwangerschaft klar zu kommen. Die Beziehung zu den Kindern auf dem Boot steht hier eindeutig im Mittelpunkt. Wieder eine Ähnlichkeit zu "A Quiet Place", wo es in erster Linie um die Konflikte innerhalb der Familie geht und die äußere Gefahr durch bösartige Wesen nur ein weiterer Härtetest für die gebeutelten Familien ist. Ein typischer dramaturgischer Kniff also, den wir aus vielen Filmen kennen. Dennoch bekommt dieser hier eine zusätzliche Zutat durch das Thema des Films, was ihn auf einer weiteren Ebene sehr spannend macht und man unbedingt wissen möchte, was dieser geheimnisvolle Zufluchtsort, zu dem Malorie und ihre Kinder unterwegs sind, eigentlich ist.

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Mal wieder eine Romanvorlage

Dass der Film auf einer Romanvorlage basiert und hier wie so oft auch nur grundlegende Elemente im Film vorkommen, dürfte bereits bekannt sein. Bird Box macht hier keine Ausnahme, so ist das Ende im Film doch komplett anders als im Roman. Liebhaber des Romans dürften hier also gemischte Gefühle haben, so wie es auch schon bei "Auslöschung" der Fall war. Dennoch unterhält der Film auf ganzer Linie und als Zuschauer merkt man durch die tolle Kamera-Arbeit genau, welche Last auf den Protagonisten liegt. Die Nebencharaktere aus dem Haus fallen nicht wirklich ins Gewicht, da viele von ihnen blass bleiben und nur als "Sterbematerial" herhalten müssen. Typisches Horrofilm-Element also. Einzig der von John Malkovich gespielte Douglas bleibt mit seiner Darbietung in Erinnerung. Seine Figur ist als egoistischer Überlebenskämpfer angelegt, wodurch er immer wieder in Streitigkeiten mit den anderen Überlebenden aus dem Haus gerät.

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Bird Box kann in puncto Bildsprache und Schockeffekten allemal punkten. Es ist erstaunlich wie der Film gerade zu Beginn eine richtige Gänsehaut verursacht. Wie brutal es sein kann, wenn sich Menschen selbst umbringen, zeigt der Film teilweise sehr kreativ. So sehen wir nicht nur das Einsteigen in ein brennendes Auto, sondern auch die normale Haushaltsschere, die es als Selbstmordwerkzeug erstaunlich weit bringt. Die Grundidee des Films überzeugt, jedoch hätten  wir uns bei den Nebendarstellern etwas mehr Handlungsspielraum gewünscht. Wer also auf der Suche nach einem weiteren Horrorfilm aus dem Bereich der 7 Sinne des Menschen ist, wird mit Bird Box seine Freude haben. Bis dahin warten wir auf den nächsten Film, wo es vielleicht das Riechen ist, was einen umbringt. ;)


+ Gute Kameraarbeit

+ Starke Hauptcharaktere

+ Gute Schockmomente gerade zu Beginn

 

-  Nebencharaktere bleiben blass

-  Zuschauer, die eine Erklärung suchen werden enttäuscht