Serien Review: Deutschland 83

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Die Serie über die jüngste Geschichte Deutschlands war im eigenen Land ein Flop – aber weltweit ein Erfolg. Nun wurde der Serie ein Neustart auf Prime Video gewährt. Wir haben sie uns angesehen und fragen uns: wieso waren die Einschaltquoten damals so schlecht?

 


Geheimnisse über Ost- und Westdeutschland

Die deutsche Serie spielt, wie der Name schon verrät, im Jahre 1983 während in Deutschland der kalte Krieg herrschte. Hauptfigur ist der junge DDR-Grenzsoldat Martin Rauch (gespielt von Jonas Nay), der mehr oder weniger unfreiwillig von der Stasi als Spion („Kundschafter des Friedens“) ausgebildet und in Westdeutschland eingeschleust wird.

 

Martin war bisher sehr zufrieden mit seinem Leben in der Deutschen Demokratischen Republik: guter Job bei der NVA, eine nette Freundin, alles wie gewohnt. Doch dann verlangt sein Land, dass er alles hinter sich lässt. Er wird in den Westen entsendet und soll als „Moritz“ die rechte Hand eines westdeutschen Generals werden, um die Militärstrategien der Nato auszuspionieren. Weil man ihm Hilfe für seine kranke Mutter verspricht, macht er mit. Sein neuer Job und das neue Leben bringt nicht nur Gefahr und Geheimnisse mit sich, sondern auch neue Erkenntnisse über Ost und West, Gut und Böse.

 

Serienreview Deutschland 83: Martin Rauch im Westen

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Anlehnung und historische Fakten

So wahrheitsgetreu einem die Geschichte während der ganzen ersten Staffel vorkommen mag, so ist sie doch nicht ganz einer wahren Begebenheit nachempfunden. Dennoch kann man mehrfach nachlesen, dass die Figur des Spions „Kolibri“ an den DDR-Agenten Rainer Rupp bei der NATO angelehnt ist. Rupp, der tatsächlich im Westen rekrutiert wurde, behauptet, im Zusammenhang mit der NATO-Übung „Able Archer 83“ die Führungsoffiziere in der DDR davon überzeugt zu haben, dass die USA keinen Überfall auf die Sowjetunion planten.

 

Ein weiterer Funfact zu den außergewöhnlichen Episodentiteln wie Quantum Jump, Atlantic Lion und Northern Wedding: diese sind alle an Namen von Großübungen bzw. Manövern angelehnt.

 

Serienreview Deutschland 83: Spion Kolibri

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Prime Video bietet den Neustart in Deutschland

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Die Serie wurde erstmals bereits im November 2015 vom Fernsehsender RTL ausgestrahlt und floppte im eigenen Land grandios. Im Ausland aber avancierte sie zum Überraschungserfolg: Weltweit verkaufte sich „Deutschland 83“ wie keine deutsche Serie zuvor.

 

Wir fragen uns: war RTL der falsche Kanal für eine Serie, die das geteilte Deutschland in Fakten und Fiktionen geschickt in Ost-West-Perspektiven ausleuchtet? Nicht nur aufgrund des Auslandserfolges rückte Prime Video beim Auftrag der zweiten Staffel an die Stelle von RTL. Die Handlung spielt nun drei Jahre später mit dem folgerichtigen Titel „Deutschland 86“ und mit den gleichen bekannten Hauptfiguren. Es geht nun um Themen wie die verdeckten Waffengeschäfte des geteilten Deutschlands, Apartheid, Perestroika und um die kaum zu ignorierenden Anzeichen, dass sich das Ende der Republik abzeichnet.

 

Auch Staffel 3 wird bereits gedreht und soll mit dem Titel „Deutschland 89“ den Mauerfall wieder mit Fakten und Fiktionen den wissbegierigen FANs auf anschauliche Weise enthüllen.

 

 


Fazit: einmalige Story mit unverblümter Atmosphäre

Neben den allgemeinverständlich vermittelten Fakten über das geteilte Deutschland bietet die Serie eine Zeitreise in eine unverblümte 80er-Jahre-Atmosphäre. Dabei können die Musik, die Wohnungsdesigns und Kostüme jüngeren Zuschauern ein Schmunzeln entlocken und ältere in Nostalgie schwelgen lassen. Die beklemmend gute Story vermischt sich mit einer, für deutsche Produktionen, innovativen Kameraführung und wohlüberlegten Cliffhangern. Nur gegen das Ende der Serie gehen einige der während der Serie aufgearbeiteten Details und Feinheiten etwas verloren. Dennoch ist unser Fazit: der Neustart für die Serie zahlt sich aus und Anschauen lohnt sich, nicht nur weil man noch einiges lernen kann, sondern weil die Story einmalig ist.

 

 

 

 

+ Lernfaktor

+ gute Story

- einige Details und Feinheiten gehen am Ende verloren